Hattingen & Heimattouristchallenge2018 – 31.05.- 03.06. 2018

HeimattouristChallenge 2018

  • #Ruhr
  • #historische Altstadt Hattingen
  • #Henrichshütte
  • #Route der Industriekultur

The Challenge goes on und das erste Viertel ist geschafft. Vom Bauch her murmelt mir gerade eine kleine, fiese, ja gehässige Quengelstimme zu: „Es mussten ja 100 sein – 50 hätten es nichht auch getan.“ – „Nein“, entgegne ich, „auch wenn ich dann jetzt schon das Verstreichen der ersten Halbzeit einläuten dürfte, es sollen 100 sein.“ Ein paar Tage haben wir ja noch…

Am Fronleichnamswochenende zog es uns in den Pott. Donnerstag war ein Feiertag, die Freitagsbrücke gab ich mir nicht – aber campen, dass wollten wir dennoch. Nun hieß es, überlegen, wo in der Nähe Dortmunds man denn campen könnte. Hm, Rudi mal mitten ins Stadion stellen hätte doch seinen Reiz – aber nein, besser nicht. Ist der Signal-Iduna-Park, einst schlicht Westfalenstadion, eigentlich auch ein touristisches Ziel?

Wir entschieden uns für Hattingen, genauer den Campingplatz „An der Kost“ in Hattingen. Um die zwanzig Minuten Fahrzeit trennten mich hier vom Büro, das hatte ich doch lange nicht mehr erlebt und ist irgendwie auch ganz nett. Gehört hatten wir bereits einiges über Hattingen und seine Altstadt und die Geschichte der Hütten, die Stahlherstellung ist schließlich eine der Hauptsäulen des Ruhrgebietes.

Donnerstags nach dem Frühstück ging es daheim los und knapp drei Stunden später saßen wir schon mit dem obligatorischen Becher Kaffee in unserem Vorzelt unweit der Ruhr auf dem Campingplatz „An der Kost“ direkt an der Ruhr in Hattingen. Trotz des offenen Zeltes waren die Temperaturen mit annähernd 30 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit eindeutig zu hoch und im Zelt lief man förmlich aus – und das war kein Auslaufen im schönen Sinn… Nein, die Klamotten klebten und irgendwie war alles gerade „bäh“… Doch die Ruhr lag ja wirklich direkt nebenan. Vom Campingplatz hatte man sogar Zugang, den leider gerade Angler blockierten…aber man hätte Zugang gehabt…Meine Sehnsucht nach Angelhaken – SM hielt sich in Grenzen…jene nach kühlem Nass jedoch nicht. So packten wir uns unsere Hunde und trabten – ok…schlichen – unter die Koster Brücke, wo wir bequem sitzend die Füße in den kühlenden Fluss tauchten. Badezeug hatte natürlich keiner eingepackt. Momo und Tapsi hingegen planschten nach Herzenslust…Schwimmen ist nicht Ihres, aber solange sie im Wasser stehen können sind sie unglaublich glücklich.

Die Ruhr, deren Hauptzufluss die Lenne ist, fließt ab ihrer Quelle, die wie die Lenne im Rothaargebirge entspringt, über 219,3 kkm unter rund 160 Brücken hindurch, bis sie bei Duisburg-Ruhrort in den Rhein mündet. Wirklich mit Schiffen befahren ist heute nur noch ein kleiner Teil. Derr weit größere Part fällt eher unter den Begriff Naherholungsgebiet, was in Hattingen, wie die Bilder zeigen, großartig umgesetzt wurde. Bis zum Abend genossen wir hier einfach die Entspannung…quatschen, Mitmenschen betrachten, genießen…so schön kann das Leben sein. Als der Hunger sich meldete, gingen wir zum Hotel-Restaurant „An der Kost“. Schnitzel und Radler – gutes Essen, erfrischendes Bier, sehr freundlicher Service – so muss das!

Während ich mich am Freitag bis zum frühen Nachmittag im Büro vergnügte, bekam Stefan, der mit Momo und Tapsi auf dem Campingplatz geblieben war, das eher zweifelhafte Vergnügen von Dauerregen und Gewitter zu spüren. Schön ist anders. Erst gegen Abend wurde es trocken. Direkt erst einmal einen ausgiebigen Spaziergang mit den Hunden machen. Die beiden waren vom Regen doch etwas gefrustet – und nicht nur die. Direkt zwischen dem Campingplatz und dem Hotel gelangt man auf den Leinpfad, der partiell Teil der Route der Industriekultur ist. Einst zogen Kaltblüter auf diesem Pfad gehend die Schiffe auf der Ruhr stromaufwärts. Die sogenannten „Ruhraakenn“, die gerade einmal rund 150 Tonnen fassten, dienten vor allem dem Kohletransport. Wenn der Leinpfad die Uferseite wechselte, mussten die Pferde via Schiff auch zum anderen Ufer gebracht werden. Alles in allem eher wenig erträglich, so dass nach einiger Zeit der Bahntransport einfach vorgezogen wurde. Die ursprüngliche Pflasterung beließ man hier nicht. Der Leinpfad ist schlicht geteert. Aber gut…als Radweg so sicher auch angenehmer zu fahren.

Über den Leinpfad gelangten wir zum riesigen Hundeauslaufareal. Klasse…wow…wir waren begeistert und Momo und Tapsi ebenso. Riesig, übersichtlich, die Kommunikation unter Hunden wie Herrchen funktioniert, man hat einige Möglichkeiten Zugang zum Wasser zu bekommen. Ja, eindeutig Note 1 und immer wieder einen Besuch wert.

Der Samstag blieb, wie von Petrus versprochen und vom Universum gewünscht, trocken. Früh machten wir uns auf in die Hattinger Altstadt. Durch einen Arbeitskollegen hatten wir das Café Adele empfohlen bekommen, wo wir nun frühstücken wollten. Das Frühstück im kleinen liebevoll gestalteten Café war einfach traumhaft und von der freundlichen Kellnerin bekamen Momo und Tapsi sogar noch ein Leckerli.

Die historische Altstadt Hattingens hat eine eigene braune Tafel und ist überaus sehenswert. Die Besichtigung starteten wir frisch vom guten Frühstück gestärkt. Alternativ hätte man sie auch in einer kleinen Bimmelbahn – juhe, der Trierer Römerexpress lässt grüßen – besichtigen können, doch eigenständig und per pedes liegt uns doch etwas mehr, wie wir gelernt haben…

Zurück ins Mittelalter…mitten hinein in die schmalen, verwinkelten Gassen, zwischen Fachwerkhäusern hindurch so krumm und schief, dass man sich fragt, wie sie so halten können. Doch haben sie nicht die Jahrhunderte überdauert, während manch Bau heute nicht ein Jahrzehnt hält? Auf einem Minimum an Raum so viele verschiedene Impressionen…eintauchen und sich vom Flair verzaubern lassen. Mal hier, mal dort hinein…wenn wir nicht gerade gefrühstückt hätten, hätte ich am liebsten in jedem der vielen Restaurants, Bars und Cafés ein Häppchen gekostet.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist sicher das Bügeleisenhaus, welches in seiner ungewöhnlichen Form tatsächlich an das mir so verhasste Haushaltsgerät erinnert. Allerdings ist es in seiner heutigen Form doch eher Phantasie als Realität. Mit den einst erbauten zwei Häusern hat es wenig gemeinsam. Dennoch es ist – heute ein Museum beherbergend – wunderschön.

Ebenso das Zollhaus in seiner Winzigkeit. Oder der Haldenplatz 6, wo einst die erste Sparkasse war. Nehmt Euch hier die Zeit, die Sprüche auf der Hauswand zu lesen. Weise Worte…

Auch genial ist der kleine Laden VolkenDOG, welcher laut Momo und Tapsi eine köstliche Auswahl diverser Hundekekse bietet.

Ewig hätten wir hier noch herumstreunern können, doch wir wollten ja noch in die Henrichshütte. Das ehemalige Hüttenwerk wird heute vom Landschaftsverband Westfalen Lippe als großes Museum auf der Route der Industriekultur betrieben.

Die für ihren Edelstahl Bekannte Hütte wurde 1854 gegründet und 2003 endgültig geschlossen. Ein Stück traurige Geschichte des Ruhrpotts ist sicher ihre Schließung – bzw. die Stilllegung der beiden Hochöfen. Verkündet wurde sie am 19. Februar 1987, dem schwarzen Donnerstag Hattingens. Der Abbau von fast 3.000 Arbeitsplätzen und rund 400 Ausbildungsplätzen würde hier bekannt gegeben. Jeder in Hattingen war irgendwie betroffen. Über Monate hinweg demonstrierte man gemeinsam – was teils Demos mit 30.000 Menschen bedeutete… Man stand füreinander ein, zog an einem Strang und das in einer Weise, wie sie heute sicher nicht mehr zu erleben wäre. Doch vergeblich…der letzte Abstich des Hochofens fand am 18.12.1987 statt. Einer von zwei Hochöfen ging nach China.

70.000 qm umfasst heute das Museumsgelände und es wird noch eifrig gebaut. Die LWL-Museen leben. Das mag ich an ihnen so.

Den Abend haben wir ausklingen lassen mit einem guten Essen und einem kleinen Spaziergang…zu mehr waren die Wauzis auch nicht mehr in der Lage…und…nach der sonntäglichen Abreise haben wir direkt wieder gebucht.

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