Nous sommes en Dole

Ein Glas Wein, Käse…zu leben wissen sie, die Franzosen. Und so sitzen wir nun, den lauen Abend genießend, hinter unserem schönen Rudi in Dole und lassen uns Wein und Käse schmecken.

Gestern Mittag kamen wir nach einer absolut entspannten und staufreien Fahrt hier auf dem Camping du Pasquier in Dole an. Die Wartezeit bis die Mittagspause vorüber war, versüßte uns der anliegende Kanal, in dem Momo und Tapsi ein kühlendes Bad nehmen konnten. Um zwei Uhr könnten wir uns dann an der Rezeption anmelden und nemen unseren bereits reservierten Platz ein. Camperfreiheit spontane Stellplatzsuche? Ich gebe zu, dazu ist das Sicherheitsbedürfnis meines inneren Monks zu hoch und seine Risikofreude zu niedrig. Asche auf mein Haupt.

Mehr als Stühle und Tisch waren nicht aufzubauen und nach dem obligatorischen Aufbrühen des Camperkaffees war erst einmal entspannen angesagt, während Momo und Tapsi im Schatten unterm Wohnwagen in tiefste Hundeträume fielen.

Dole – wie sind wir hier überhaupt gelandet? Das war ein Tip aus einer Campinggruppe und ich muss sagen, touristisch ist die Stadt absolut verkannt.

  • wurde 1422 Hauptstadt von Burgund
  • 1422 wurde hier eine der wichtigsten Universitäten für Zivil- und kanonisches Recht in Westeuropa gegründet – jetzt mal ehrlich: Wo auch sonst, als im Departement Jura
  • 1493 ging die Stadt zurück an die Habsburger
  • zeichnete sich durch enorme Widerstandskraft aus, da es trotz mehrerer Versuche nicht eingenommen werden konnte, bzw. die Eroberer nie die Bürger für sich gewinnen konnten
  • 1668 gab es eine erneute Belagerung mit Eroberung und wieder ging die Stadt retour an die Habsburger
  • 1674 erfolgte schließlich die endgültige Eroberung durch Frankreich – hiernach ging Dole nie wieder zurück an die Habsburger. In diesem Zug wurde das Volk enorm gedemütigt. Der Status als Hauptstadt ging verloren, die Universität wurde umgesiedelt, das Recht Münzen zu pressen wurde abgesprochen und die Befestigung der Stadt wurde zerstört. Die Patrizierfamilien wanderten ab.
  • Der wichtigste Sohn der Stadt ist Louis Pasteur. Was wir ihm zu verdanken haben, sollte jeder wissen, oder?

Genug des geschichtlichen Exkurses?

Uns zog es des Abends ins Städtchen und ich muss sagen: Als wir nach gut 10 Minuten laufen den Blick auf den großen Kanal warfen, wenige Minuten später eine Brücke passierten und einen Blick auf den von kleinen Kanälen durchzogenen Ort warfen, waren wir sprachlos. Wow…ging es uns durch den Kopf.

Eine große Kirche überragte gleich einer Festung die eng aneinandergeschmiegten alten Häuser. Die Kanäle im Ort wurden rechts und links von blumenkästenbehängten Geländern gesäumt. Ein kleines Restaurant neben dem nächsten lud zum Speisen und es duftete einfach köstlich. Bevor wir jedoch einkehrten bummelten wir ein wenig durch die engen Gassen der alten Stadt, ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Die alten von der Patina des Lebens überzogenen Häuserreihen, die schmale von Kopfsteinpflaster gesäumte Straßen säumten. Ruhig war es – absolut ruhig. Wir gingen an den von Seerosenfeldern bewachsenen Kanälen entlang, stiegen über Brücken bis wir direkt am Wasser gelegen das Restaurant „Petit Venise“ fanden.

Hier ließen wir uns nieder. Momo und Tapsi blickten sehnsüchtig aufs Wasser und wir genossen bei superfreundlicher Bedienung ein unsagbar köstliches Menü zu leckerem Rotwein aus dem Jura. Einer Terrine mit Salat folgte rosa gebratene Entenbrust auf Gemüse und Rosmarinkartoffeln und das kleine Schokoladen-Walnussküchlein zum Dessert machte das Essen perfekt. Zum Abschluss noch ein Spaziergang durch den Ort am Kanal entlang zum Campingplatz zurück…

Der erste Urlaubstag war pures Glück.

Früh schon waren wir am heutigen Morgen wach. Wenn der Körper einmal gelernt hat, dass um 4.30 Uhr die Nacht vorbei ist, heisst bis 5 Uhr schlafen ja irgendwie schon lange schlafen, oder? Doch so waren wir als erstes im Waschhaus und kamen noch vor dem Frühstück auf der Hunderunde zu atemberaubenden Ausblicken. Sonne, die das Wasser in Gelb- und Rottöne taucht, verschlungen vom Nebel, der über dem Kanal aufsteigend dem Ganzen einen Hauch Magie verleiht. Morgenstund hat wahrlich Gold im Mund.

Das schon riesig scheinende Glück vertiefte sich noch, als wir zum Frühstück an der Rezeption noch warme Croissants und Baguettes erhielten. Oh mon dieu – französisches Baguette…ebensolche Croissants…saftig…köstlich und noch warm. Womit haben wir das verdient. Das Lächeln mochte nicht mehr von den Lippen verschwinden.

Nach dem Frühstück machten wir uns wieder auf in die Altstadt…über den Markt…zur majestätischen Kirche…durch die engen Gassen an den Kanälen entlang, kehrten mittags ein und faulenzten schließlich während des heißen Nachmittags auf dem Campingplatz, um den Abend nun bei einem köstlich erfrischenden Rosé ausklingen zu lassen.

Ein absolut gelungener Urlaubsstart!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s