Französisch en Route III – 21.-26.05.2023

Nach der Ile Grande sollte es in die Normandie gehen, doch zunächst einmal wollten wir shoppen. Ich wünschte mir doch einen gelben Regenmantel und wo sollte man den leichter finden können, als bei Armor Lux. Da wir aber etwas spät dran waren, waren viele Stellplätze sehr gut gefüllt. Vor dem Mittag ist es eindeutig leichter etwas zu finden. Doch vielleicht sollte es so sein, denn nun landeten wir an einem Ort, auf den wir selbst nie gekommen wären und der einen wunderschönen Charme hatte Ambrière les Vallées. Unsere erste Berührung mit der Region Pays de la Loire. Am Wasser ist in diesem Urlaub – wie so oft irgendwie Standard, diesmal ohne das wir gezielt danach suchen. Ambrière les Vallées liegt am Fluss Varenne.

Verschlafen wirkt das Örtchen und doch irgendwie bezaubernd mit seinen alten Häusern, der Notre-Dame, die seit ’53 Monument historique ist und der Mühle von Champs, die seit 1995 diesen Titel trägt. Der Stellplatz liegt auf einer schönen Wiese mit Baumbestand am Fluss. Von dort aus erreicht man binnen weniger Meter am Fluss entlang eine wunderschöne Streuobstwiese, auf der einem in mehreren Etappen der Weg vom Apfel zum Calvados gezeigt wird. Uns zog es dieses Mal vielleicht aufgrund der langen Fahrt allerdings nach einem ausgiebigen Spaziergang früh in Groot zurück. Ab morgen sollte dann endlich die Normandie erkundet werden, natürlich nicht ohne vorher ausgiebig auf chienNormandie gestöbert zu haben. Hier hat die liebe Barbara Homolka einen tollen Reiseführer für Normandiereisende bereitgestellt.

Und in einem durch in die Normandie. Das wunderschöne Portbail sur Mer war unser erstes Ziel. Hier fanden wir einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz zwischen Städtchen und Strand. Portbail, einer der tollen Orte, die wir bereits 2019 mit Maja und Tapsi besucht haben. Portbail, herrliche Stadtbummel, ohne in Menschenmengen zu ertrinken und immer mit der Option sich in über die kleine Brücke hinüber zur Ruhe der Strände zu fliehen. Gerade letzteres genossen wir auch ausgiebig. Die langen, gefühlt endlosen Strände bedeuten für uns Spaziergänge und für die zwei Mädels Party pur. Gerade, nachdem Maja von Januar bis in den April hinein nach ihrer Kreuzbandriss-OP (TPLO) erst im kompletten Schongang laufen musste und dann langsam wieder aufbauen durfte, ist ihr das ein absoluter Genuss. Das kleine Energiebündel sprudelte über vor Glückshormonen. Natürlich durfte auch eine Erkundung der aktuellen Ausstellung in der wunderschönen unter Denkmalschutz stehenden Kirche Notre Dame aus dem elften Jahrhundert nicht fehlen.

Abends erkundeten wir, nachdem wir am Strand gegessen hatten, durch den Ort. Wir gingen durch die kleinen Gassen, drückten uns unsere Nasen an den Schaufenstern platt und fanden dieses Mal sogar das frühkirchliche Baptisterium mit dem beeindruckenden achteckigen Taufbecken.

Portbail ist keine riesige Stadt, aber irgendwie schafft es dieser Ort, uns zu berühren – Eigenschaften, die einige Orte auf unserer Reise durch Normandie und Bretagne mit sich bringen. Eigenschaften, die wir lieben.

Kekse! Danach war uns nach Frühstück und morgendlichem Spaziergang in Portbail. Und die gibt es in der Normandie an den verschiedensten Orten. Wir haben uns allerdings schon bei unserem letzten Besuch vom Maison du Biscuit verzaubern lassen. Ein Ort, der einen eintauchen lässt in eine andere Welt. Der Ort, den wir nun aufsuchen wollten, bevor es über die Route des Caps ging. Wir fanden allerlei Köstlichkeiten und Leckereien und schafften es sogar, das kleine Paradies nicht leer zu kaufen.

Die Route des Caps ist wirklich eine tolle Strecke, die atemberaubende Aussichten bietet und bei deren Befahrung man sich manches Mal fühlt wie in Irland – also zumindest stelle ich mir Irland so vor. Barbara hat sie in ihrem Blog chienNormandie besser beschrieben, als ich es je könnte und stellt Euch herrliche Aufnahmen der Strecke bereit. Aber Achtung: Auf einigen Teilstücken der schönen Route liegt die Begrenzung bei 3,5 t – zu Recht. Hier gibt es für die gewichtigeren Fahrzeuge (Groot liegt unter 3,5 t) eine Umfahrung.

Siouville-Hague war der Ort, an dem wir als nächstes landeten. Der schöne Surfspot des Contentin. Unweit des Strandes fand sich der Stellplatz mit Ver- und Entsorgung und nach einer Pause erkundeten wir das schöne Örtchen, welches strahlend zwischen Wiederaufbereitungsanlage und AKW lag. Gut, das war es nun nicht, was für uns den Reiz ausmachte. Jeder Ort hat ja irgendwie etwas, was ihn für den individuellen Besucher interessant macht. Bei uns und Siouville-Hague war es die Tatsache, wie die Einwohner des Ortes zum Protestantismus fanden Anfang des 19. Jahrhunderts. Nicht aus dem wirklichen Glauben heraus, nein, man wandte sich dem Protestantismus zu, weil der Priester des Ortes beim Tangsammeln die Herren von Flammanville bevorzugten. Ein kleines Schmunzeln zog sich beim Lesen der Geschichte über meine Lippen.

Siouville-Hague besitzt als Surfspot aber auch einen herrlichen Strand mit traumhaften Granitfelsen, der zum Spazieren, Baden und Surfen einlädt. Auch La Maison aux Coquillages soll man hier finden. Wir allerdings irgendwie nicht…von Blindheit geschlagen? Naja…nächstes Mal finden wir es bestimmt.

So langsam aber sicher ergriff uns die Traurigkeit, die mit dem Ende der Reisezeit einhergeht. Ich merke es selbst beim Schreiben jetzt – Monate später noch. Eine Wehmut, die es manchmal schwer macht, die Schönheit der Orte zu genießen, die man besucht, die sich gleich einem dunklen Schleier über alles legt. Da beneide ich ja schonmal die Hunde, die einfach genießen können, ohne über das Morgen nachzudenken. Leben im Jetzt – es könnte so einfach sein. Doch manchmal ist halt auch einfach sehr schwer.

Über die Route des Caps führte uns unser Weg nun weiter hin zum Jardin botanique du Vauville. Der Besuch dieses wunderbaren botanischen Gartens ist mit Hunden kein Problem – sie sollten sich natürlich vorher entleert haben und zur Sicherheit hatten wir wie immer auch Beutelchen dabei. Auch das Führen der Hunde an der kurzen Leine sollte selbstverständlich sein.

Der vor über 70 Jahren von Eric Pellerin angelegte 5 Hektar große botanische Garten vermag seinen Betrachter zu verzaubern. Er entführt seinen Besucher in schattige Eukalyptushaine, in kleine asiatisch wirkende Nischen, am glucksenden Bächlein entlang zu riesigen Rhododendren und herrlichen Teichen. Wir haben sicher zwei Stunden oder mehr hier verbracht, und doch sicher nicht alles erfasst. Dazu müsste man auch die verschiedenen Jahreszeiten zum Besuch nutzen und – je später es wurde, desto voller wurde es natürlich. Am Ende genossen wir noch einen Petit Café gemeinsam und ließen das Gesehene ein wenig sacken.

Schließlich ging es weiter. Der nächste Stellplatz für eine Nacht fand sich in strandnähe in Quineville. Diesmal tatsächlich ein 24 Stunden Parkplatz, auf dem Campingverhalten untersagt war. Kein Problem. Wir suchten nur ein Plätzchen für die Nacht, machten noch einen ausgiebigen Spaziergang und fielen zeitig ins Bett.

Normandie ohne ein Besuch in unserem Herzensort Port-en-Bessin – das geht nicht. Und genau dorthin zog es uns, bevor wir in Utah Beach unseren Übernachtungsplatz bezogen. Port-en-Bessin – ein echter Ort, duftend nach Hafen, nach Öl, nach Fisch, nach Meer, nach Arbeit…der Duft und der Klang der Schweißer in der Werft. Hier im Hafen sitzend haben wir 2019 davon geträumt, den Bootsführerschein zu machen und den Traum 2020 kurz vor den Lock-Downs durch Corona umgesetzt. Ein Bummel am Hafen entlang, wo es dieses mal heftig stürmisch war, über die Jakobsmuschelablageflächen…entlang der kleinen Restaurants, an der Markthalle vorüber, wo fangfrischer Fisch zum Kauf geboten wurde. Im kleinen Souvenirgeschäft ein hölzernes Schiffsmodell erstehen, einen Magneten und etwas weiter köstlichen Apfellikör und da man nie genug Kekse haben kann, auch noch Kekse. Und danach im Hafen sitzen und einfach das Leben genießen.

Nach einer Nacht im Camping Car Park Utah Beach ging es zunächst nach Isigny, wo wir allerlei Süßes, Camembert und köstliche Butter erstanden. Wirklich – gerade die Butter ist eine Empfehlung. Ich habe weder hier in Deutschland noch in Südtirol auf den Almen jemals so herrlich cremige Butter genießen dürfen. Dann führte unser Weg uns nach Quillebeuf sur Seine, einem kleinen verschlafenen Ort an der linken Seite der Seine.

Die alte Hafenstadt hat eindeutig schon bessere Zeiten gesehen, davon zeugen die heute oft verfallenen Häuser. Die Schiffer dieses Ortes besaßen einst das Privileg, als Lotsen die vom Meer über die Seine kommenden Schiffe nach Rouen zu geleiten. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen diesen eigentlich so schön am Wasser gelegenen Ort aufgrund der Raffinerie auf der anderen Seineseite verließen. Wir hörten die Klänge der Arbeit dort die meiste Zeit über dumpf zu uns schallen, während der leicht schwefelige Duft nur in gelegentlichen Schwaden vom anderen Ufer zu uns herüberdrang. Dennoch hat der Ort Charme – unverkennbar. Erkundend durch die schmalen, teils steilen Gassen das Örtchen bestaunen oder mit Blick auf die Tancarville-Brücke am Seineufer entlang zu bummeln, deren Pegel sich durch das nahe Meer im Bann der Gezeiten hebt und senkt.

Ein letzter Halt bevor das Sauerland uns zurück bekommen sollte. Eigentlich hatten wir überlegt, ihn in Le Treport einzulegen, doch wir wollten schon etwas weiter und so war es Amiens geworden. Der Campingplatz mit angeschlossenem Wohnmobilstellplatz ist herrlich. Er liegt ca. 4 km von der Innenstadt entfernt und natürlich wollten wir die auch sehen. Damit, dass es so warm werden würde, hatten wir allerdings nicht gerechnet. So wurde der Abstecher in die Stadt wirlich nur ein kurzer und es wäre wohl schlauer gewesen, schattigere Orte zu besuchen. Abends machten wir das dann auch und genossen einfach den naheliegenden Park. Nächstes Mal ist sicherlich der Friedhof dran, auf dem man das Grab Jules Vernes findet.

Drei wunderbare, entspannte Wochen sind vorüber gegangen… Drei Wochen voller wunderbarer Menschen, Erlebnisse, köstlichen Essens. Drei Wochen Entspannung, Abschalten, Genuss. Eine herrliche Zeit an herrlichen Orten.

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