Bleiben wir doch einfach bei dem Titel „Französisch en Route“, denn irgendwie ist es auch jedesmal unterwegs wieder ein „J’apprends la langue Francais.“ – ein Vertiefen des gelernten Französisch. Vor allem ist es auch ein Anwenden unter Muttersprachlern.
Eine Woche Verdun ist vorüber gegangen. Eine Woche voller Eindrücke, die noch anhalten, denn ich beginne diesen Bericht in Vauquois, einer 19 Einwohner zählenden Gemeinde im Departement Meuse. Hier fanden wir nachdem wir die Butte de Vauquois erwanderten, einen kleinen Stellplatz, wo wir uns für die Nacht einrichteten. Direkt an einem kleinen Weiher stehen wir nun unterhalb der Mairie. Die Stille hier ist herrlich. Deutlich übertönt die Natur die Geräusche von Fahrzeugen, die nur gelegentlich aus weiter, weiter Ferne herüber schallen. Wenige nur finden sich hierher.
Vergangenen Samstag trafen wir im Departement Meuse ein. Auf der Hinfahrt machten wir noch einen Abstecher zu einer Gallo-Romanischen Villa, die in den letzten Jahren freigelegt wurde. Gegen eine kleine Spende darf man hier gerne auch des Nachts stehen. Liebe lesende Mitcamper, lasst uns solche Orte bewahren. Gibt es ein solches Angebot und wird es genutzt, so sollte jeder von uns großen Wert darauf legen, sich zu benehmen. Wir nutzten die Übernachtung hier nicht, da es gerade erst Mittagszeit war und wir bis zum Abend in der prallen Sonne gestanden hätten – bei um die 30 Grad keine so traumhafte Situation. Die freigelegten Grundmauern der Villa sahen wir uns aber natürlich an und selbstverständlich landete in der Spardose auch eine kleine Spende.





Als nächstes Ziel gaben wir Charny sur Meuse ein, ein kleiner Ort an der Meuse, der uns in dieser Zeit hier manche Nacht als Herberge diente. Camping-Car-Park hat hier einen alten Campingplatz an der Meuse übernommen, der nun Stellplatz ist und einigen Wohnmobilen herrlich schattige Plätze bietet. Im Nachbarort Bras sur Meuse findet sich zudem auf der Hunderunde prima erreichbar ein Bäcker, der herrliche Spezialitäten anbietet.




Auch ist Charny sur Meuse ein perfekter Ausgangsort zur Erkundung der Geschichte der Schlachten um Verdun, die im 1. Weltkrieg das Land zerstörten und die Leben so unvorstellbar vieler Menschen forderten.
Ein stetiger Begleiter auf dieser Reise ist er, der Gevatter, der Tod, der einem Zug um Zug vor Augen führt wie wertvoll das eigene, freie Leben ist. Der Gevatter Tod, der uns die Dummheit der Menschen vor Augen führte, die nach dem Elend des ersten Weltkrieges noch so viele weitere Kriege führten. Ein Leben in Frieden – überall auf einer Welt mit über 8 Millarden Menschen – halte ich leider tatsächlich für ein Ding der Unmöglichkeit. So schön es auch wäre und so sehr ich es jedem Wünschen würde, doch selbst in den kleinsten eigentlich sogar sozial gleichgestellten Kreisen von Menschen werden doch immer wieder Missgunst, Hetze und Hass deutlich. Zu sehen, welch Elend der Krieg hinterließ, macht das Leid noch einmal viel deutlicher als die Unterrichtsstunden, die wir auf der sicheren Schulbank verlebten, so mühevoll unsere Geschichtslehrer es auch aufzuführen versuchten. Und – zumindest bei mir war es so, dass der 2. Weltkrieg mit seinen schrecklichen Opfern, nicht nur an den Fronten, sondern auch unter den Menschen, den Juden, den Sinti und Roma, den geistig oder körperlich behinderten Menschen, den andersdenkenden Menschen oder den geschlechtlich anders orientierten forderten – dieser grausame zweite Weltkrieg nahm einen weitaus größeren Platz im Geschichtsunterricht ein, als der Erste Weltkrieg, der Große Krieg, ohne den es den zweiten vielleicht gar nicht gegeben hätte. Inwieweit wurde am Ende des ersten Weltkriegs der Keim für die „Revanche“ gesät? Inwieweit wissen jene Menschen, die wie wir heute in Frieden und Freiheit leben dürfen, genau dieses zu schätzen?
Mehr als einmal gingen unsere Gedanken in diese Richtung, machte uns das Gesehene nochmal deutlich, welch Glück uns geschehen ist, in den Frieden hineingeboren zu sein, in ein Land, in dem man heute in Freiheit leben und seine Gedanken frei äußern darf, solange sie selbstverständlich niemandem schaden, verletzen und niemandes persönliche Freiheit einschränken.
„Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen, dort kann man sehen, wozu das Nicht-Europa, das gegeneinander der Völker, das Nicht-Miteinander-Wollen, das Nicht-Miteinander-Können führen muss.“ Jean-Claude Juncker. Wir glauben an die europäische Idee und sind froh über ein geeintes Europa. Dennoch war ein Soldatenfriedhof der erste Ort, den wir am folgenden Tag besuchten. Der deutsche Soldatenfriedhof von Consenvoye, auf dem 11.146 Menschen ihre letzte Ruhestätte fanden. Eine bloße Zahl, der im Verlaufe dieser Woche noch weitere, weitaus höhere Zahlen folgen würden. Eine bloße Zahl, die gepaart mit Kreuzen und Grabplatten wie -steinen von vergangen Leben, von Schmerz und Trauer spricht. In Ruhe und Frieden liegen sie nun allesamt hier unter grünem, weichen Gras, im Schatten noch junger Bäume, den Blick auf die Meuse gerichtet. Vergessen werden sollten sie nie.



Von Consenvoye aus führte unser Weg nach Haumont, wo wir eines der zerstörten Dörfer besuchen wollten. Gut, Kopfschmerzen und fast dreißig Grad sind nicht die besten Bedingungen, eine Wanderung von rund 2 km bergan zu machen, aber wir schafften es und während ich mich mit den Hundedamen erst einmal sammelte, durfte Stefan sich den Ort schon einmal anschauen, an dem die Natur – wie so oft hier – die Decke des Lebens über den Tod und das Leid gebreitet hatte.
Haumont-près-Samogneux ist eines von neun zerstörten Dörfern, die nie wieder aufgebaut und zu „für Frankreich gefallenen Dörfern“ erklärt wurden. Ein Wiederaufbau der Dörfer war nicht mehr möglich, denn Blindgänger, Giftgasreste, Kriegsmaterialien und ebenso nicht bestattete Gefallene belasteten die Böden zu sehr. So dienen die Dörfer Haumont, Beaumont, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Fleury, Louvemont, Ornes und Vaux nun dem Gedenken.
Stille umgibt das Dorf, die Stille der Natur, die eigentlich ja nie so wirklich ist und doch vermag sie zu zaubern. Am Beginn wurde eine Kapelle erbaut, noch davor sieht man zu seiner rechten einen verfallenen Bunker, vor dem Soldatenfiguren zu gehen scheinen. Lebensgroß und in schwarz-weiß sieht man an vielen Ecken Bilder der Dorfbewohner auf ihren Grundstücken. Eine Quelle sprudelt in einen Brunnen hinein und verteilt sich aus dem Überlauf hervorrinnend in dem Waldboden. Unzählige Farne sprießen hervor. Ja, das Leben hat den Tod hier überdeckt, die zerstörten Grundmauern der einst schönen Häuschen, die den Menschen die Sicherheit der Heimat geboten hatten…bis…ja bis andere Menschen beschlossen, dass diese Sicherheit doch trügerisch ist.
Schweigend verließen wir diesen Ort, der so schön und doch so voller Traurigkeit ist.









An diesem Abend war einfach eine ausgiebige Dusche nötig, was uns dazu brachte, nach einem Campingplatz zu schauen. Wir fanden den Camping Mandre in Chatillon sous les cotes. Herrlich ruhig, an einem See gelegen und saubere, geräumige Duschen. Dazu ein herzlicher, liebenswerter Betreiber und ein Platz im Schatten eines Baumes mit Blick auf den See. Herrlich. Genau das war perfekt für den Abschluss dieses bewegenden Tages.



Auch der darauffolgende Tag brachte noch keine Abkühlung. Allerdings entschlossen wir uns nach einem leckeren Frühstück zum Besuch des Fort Vaux‘, wo Temperaturen deutlich unterhalb der aktuellen Außentemperaturen herrschten.
Das zwischen 1881 und 1884 errichtete und bis 1912 noch deutlich modernisierte Fort Vaux war massiv in die Schlachten um Verdun einbezogen worden und der Stahlbeton hat schwer darunter gelitten. Von den erbitterten Kämpfe, die sich Franzosen und Deutsche um das Fort lieferten, erzählen die Mauern, lassen einen die Intensität der Schlachten spüren. Die Kühle umfing uns mit Betreten des ersten Raumes, wo wir unsere Eintrittskarten erstanden. Durch eine gläserne Tür gingen wir dann ins Museum hinein, betraten zunächst einen Raum in dem diverse Kriegsmaterialien ausgestellt waren, die in und um das Fort entdeckt wurden. Von hier traten wir in den riesigen Flur, von dem auf gleicher Ebene wie auch nach unten viele Räume abgingen. An den Wänden waren noch Schilder aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als der Besuch der Schlachtfelder um Versailles fast schon als chic galt und von diversen Veranstalterten als „All-inclusive-Tour“ angeboten wurde.
Wasser tropfte von der Decke, bildete ineinander fließende Pfützen auf dem Boden durch die wir durch den Flur gingen. Ein Schlafraum war der erste Saal, den wir betraten. Eiserne Etagenbetten boten Platz für die Soldaten, die hier gleich Höhlenbewohnern hausten.
Im nächsten Raum fand sich eine Ausstellung über die Tiere und wie sie im Krieg dienten. Hunde, allen voran Quiqui, der Cocker-Mix des Commandant Raynal, aber auch Katzen, Pferde, Esel und die Brieftauben, die treue Dienste als Boten leisteten.
Wir erkundeten noch Büro des leitenden Offiziers, Krankenstation, Sanitärbereich, Offizierszimmer, Taubenschlag, Gefechtsstand, Fernmeldeposten und die Bourges Casematte. Ein nachgestelltes Grab leuchtete aus der Dunkelheit eines engen Ganges. Symbolisch steht es für so viele Menschen, die hier ihr Blut vergossen. Vielleicht sollten Kriege nicht geführt werden durch Soldaten, vielleicht sollten jene die sie anzetteln auch die Personen sein, die sie ausfechten.
Betroffen verließen wir das beeindruckende Fort, besahen uns noch das von den Kämpfen gezeichnete Umland. Auch hier hatte wieder die Natur saftiges Grün über die menschengemachte Zerstörung gebreitet, bedeckte den Tod mit purem Leben. So ruhig und friedlich mit herrlichem Panorama. So wunderschön…






„Wir waren wie Du, Du wirst sein wie wir, bete zu Gott für uns“
Auch am Mittwoch war der Gevatter unser Begleiter…auf dieser Reise war er wirklich stetig um uns. Doch dieses Mal zunächst unabhängig der Kriegsgeschehnisse. Es war der Cimetière Saint Hilaire, den wir besuchten. Auf einem Hügel liegt dieser wunderschöne Friedhof auf dem sich Gräber aus vielen hundert Jahren bis ins Heute finden, aber auch ein Beinhaus. Noch bevor man den Friedhof selbst betritt sieht man zu seiner rechten den Christus der Aussätzigen, der von den vergangenen Leben der Lepraopfer aus der Maladerie erzählt. An seiner Seite die Jungfrau der Aussätzigen. Beide inzwischen hinter Gittern geschützt vor Zerstörung.
Dann betritt man zunächst den neuen Teil durch ein quietschendes Tor. Unweigerlich mussten wir lachen, klang doch aus dem Makita-Radio der hier ihre Arbeit verrichtenden Bauarbeiter „Cherish“ von Kool and the Gang und begleitete uns auf unserem Weg an der verfallenden Bruchsteinmauer entlang. Weit war er nicht.
Wo einst ein römischer Mars-Tempel stand, baute man die Kirche Saint Hilaire und um sie herum wurden die Toten von Marville seit der Merowingerzeit zu ihrer letzten Ruhe gebettet. Die vergangene Zeit zeichnete die Grabmäler mit dunkler Patina, mit Flechten, ließ Grabsteine und Kreuze sich verneigen vor ihrer ureigenen Kraft. In die Mauer der Kirche wie auch die menschliche Kunst nicht beachtend in die seltene Statue des Christus in Fesseln aus dem 16. Jahrhundert hatten Bienen ihre Nester gebaut, der Summen die Luft erfüllte, immernoch untermalt von „Cherish“. Der Tod, die Natur und der Arbeitsalltag Hand in Hand.
Viele Kindergräber aus der Zeit als die Kanadier hier stationiert waren, gab es. Baby Watson…irgendwie war es sein Kreuz, welches mich am tiefsten berührte. Ich vermag nicht zu sagen warum.

Und hinter rostigem Eisen dann in einem gemauerten Raum…drei Wände vom Boden bis an die Decke mit Knochen und Schädeln bedeckt, in ihrer Mitte ein Altar, auf dem weitere Schädel ruhten. Der Verfall hatte auch hier nicht halt gemacht. 40000 Schädel ruhen hier, so steht es auf einem Schild. Eine tiefergehende Erläuterung spricht von 6000 Schädeln und weiteren Knochen. Wie viele auch immer es sind…sie sind wie wir und wir werden sein wie sie. Wie wahr diese Worte doch sind… Beten wir also für sie.






Von Saint Hilaire aus fuhren wir zum Wald von Caures, wo noch heute die Spuren des Bombardements gegen die Truppen von Colonel Driant zu sehen sind. Am 21.2.1916 beschossen die deutschen Truppen hier die französischen mit rund 80.000 Artelleriegranaten. Entlang von Granattrichtern aber auch Schützengräben, die auch nach all den Jahren noch gut zu erkennen sind, wird der Besucher, während er die Geschichte dieser Schlacht lesen kann, zur Ruine eines Unterstandes, zu einem Mahnmal, zum ersten und zweiten Grab des Colonels geführt. Der vertraute typische Duft des Laubwaldes gemischt mit den zwitschernden Vögeln, die gelegentlich vorbeifahrenden Fahrzeuge hatten wir ausgeblendet. Scheinbar unendlicher Frieden schien diesen Ort eingehüllt zu haben, Granattrichter und Schützengräben waren gefüllt mit Laub. Und doch spürten wir den vergangenen Schrecken, den dieser Boden sehen musste, der ihn zum erbeben brachte, der seine Krume aufriss und mit dem Blut unzähliger Menschen, Deutscher wie Franzosen übersättigte.






Verdun – eine Metapher für die grausamen Schlachten des ersten Weltkriegs, ist zunächst aber doch erst einmal eine Stadt. Eine kleine Stadt mit rund 17.000 Einwohner, die wunderschön an der Maas gelegen zum Bummeln einlädt. So parkten wir am nächsten Tag stadtnah in Verdun unseren Wagen. Gemütlich schlenderten wir hinüber, während Maja und Pami die Spuren der Stadthunde erschnüffelten und mit großen Augen in den einen oder anderen Eingang aus dem es herrlich durftete hineinblickten. Zum Port de Plaisance führte uns unser erster Weg. Eine Weile an der Meuse sitzen und einfach die Atmosphäre erspüren und genießen.
Als wir zum ersten Mal hier durchgefahren waren, war es Sonntag und sämtliche Cafés hier am Ufer waren proppevoll. Viele Menschen saßen und flanierten unter den wehenden Fahnen am Meuseufer. Heute hielt sich das in Grenzen. Es war eher wenig los. Die meisten Menschen waren dann doch arbeiten. Doch ich gestehe, so ist mir das auch viel lieber, als wenn der Ort so voll ist. Daher zieht es uns selten und wenn eher zu „Unzeiten“ in Gegenden, die touristisch sehr beliebt sind.
Vom Meuseufer bummelten wir an den kleinen Geschäften entlang hinauf zur Cathedrale Notre-Dame de Verdun. Schmale Gassen waren es, die uns hier herauf führten. Wie immer hieß es, die Kathedrale getrennt zu besichtigen. Einer suchte sich mit den Hunden ein schattiges Plätzchen, der andere bestaunte die riesige Kathedrale. Direkt daneben lud das Centre Mondial de la Paix, des Libertes et des Droits de l’Hommes ein, die Vergangenheit zu erkunden und präsentierte zugleich mahnend Bilder des aktuell auf dem europäischen Kontinent wütenden Krieges. Nein, die Menschen haben nicht gelernt und ich denke, sie werden auch nie wirklich lernen.






Mit dem Ossuaire de Douaumont besuchten wir am folgenden Tag wohl eines der bekanntesten Mahnmale, die an die Opfer des Ersten Weltkrieges und die Schlachten um Verdun erinnern. Hunde sind hier nicht erlaubt, passende Kleidung wird verlangt. Für uns selbstverständlich.
Der Bau des Monumentes begann 1920. 1932 wurde es durch den französischen Präsidenten eröffnet. 1984 reichten sich der französische Präsident Mitterand und der deutsche Bundeskanzler Kohl hier die Hände. „Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“ Genau diese Deutsch-Französische Freundschaft durfte ich bei all meinen Frankreich-Besuchen seit der Schulzeit immer wieder erleben und genießen. 2016 begegneten sich hier Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Lehren aus ihr ziehen und damit dann eine gute Zukunft gestalten“, so Merkel. Während Hollande 2016 die heute leider noch trefflichen Worte findet: „Die Kräfte der Spaltung, der Abriegelung, der Abschottung sind wieder am Werk. Sie denunzieren Europa als Ursache des Übels und vergessen dabei, dass Europa aus dem Unglück geboren wurde.“
Der Besuch des Beinhauses bewegt. All die Namen der verstorbenen Soldaten, das Bewusstsein, dass unter einem selbst die Gebeine von 130.000 Menschen liegen, die nicht identifiziert wurden. Menschen, die keiner Nation mehr zugeordnet werden konnten. In keinem Moment sind wir einander gleicher, als in dem, wenn wir nur mehr Knochen sind. In der kleinen Kapelle entzündete ich eine Kerze, vermochte, nachdem kurz zuvor ein alter Mann vor mir von den Tränen überwältigt wurde, selbst nicht mehr die Tränen zurück zu halten. Dieser Ort traf mich tief.
Schließlich löste ich mich, stieg den Turm hinauf. Der Blick gleitet über die Landschaft, den Wald in dem noch um die 80.000 Menschen ruhen, in dem sie auf ewig ihr Grab gefunden haben. Die Gräber unterhalb des Turmes. Schweigend stieg ich hinab, ging hinunter. Mein Blick ging unweigerlich durch eines der Fenster im Beinhaus, wo die bleichen Knochen ruhten. Als ich am Van ankam, schlug die Glocke des Turmes und begleitete unser sinnieren, bevor wir mit den Hunden noch einen Spaziergang durch den Wald von Douamont unternahmen.



Der Wald von Douamont ist ein besonderer Wald. Er ist ein Denkmal, ein Mahnmal, trägt den Titel Foret d’Exception. 1919 wurden 20.000 ha durch den französischen Staat als rote Zone eingestuft. Das Gebiet war schwer geschädigt, durch im Boden verborgene Leichen, Gifte und Kriegsmaterialien, die in ihrer Vielfalt nicht mehr zu bergen waren. Diese Region wurde mit Millionen von Bäumen bepflanzt, Granattrichter bildeten kleine Biotope, die Amphibien zum Heim wurden. In alten Unterständen und Bunkern fand eine Höhlenfauna Unterschlupf. Für den Besucher gilt: Bleibt auf den Wegen, denn noch wie vor besteht abseits dieser Wege Gefahr, sich zu verletzen. Sei es durch alte Granaten, sei es durch schlichte aus dem Boden hervorragendende rostige Metallspitzen oder durch den Sturz in nicht immer sichtbare Stollen- oder Bunkerzugänge. Auch Hunde sollten hier angeleint bleiben.






Vauquois, wo ich diesen Blogbeitrag begonnen habe (beendet habe ich ihn im Sauerland), war unser letztes Ziel. Vauquois, eine wunderschöne, herrlich ruhig gelegene Gemeinde mit gerade einmal 19 Einwohnern unterhalb des Hügels von Vauquois, wo während der Schlacht rund 14000 Menschen den Tod fanden, wo im Viertelstundentakt ein helles Glockenspiel erklingt und einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert und wo man einen wunderschönen kleinen Wohnmobilstellplatz errichtet hat. Nachdem wir Groot abgestellt hatten, erwanderten wir uns den Hügel von Vauquois, der einem Termitenbau gleicht und viele Kilometer Stollen in sich birgt. Hier haben sich einst Deutsche und Franzosen gegenseitig gesprengt. Die Geschichte hierzu haben wir gelesen und in Dokumentationen gesehen. Den Ort selbst, der von sanftem grün bewachsen ist zu sehen ist doch noch einmal etwas ganz anderes. Unvorstellbares nimmt Form an und wird seh- und fühlbar.















Einer der längsten Blogbeiträge geht zuende. Wenn Du bist hier gelesen hast: Wow… In all ihrer Kürze handelte es sich bei der Reise nach Verdun um eine Reise die uns unendlich berührte. Es ist ein Ort, den wir sicher nochmal aufsuchen.

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